Seit wenigen Jahren sind Superfoods, „Supernahrungsmittel“, in aller Munde. Sie gelten nicht nur als sehr gesund, sondern zuweilen auch als teuer – doch das muss nicht sein. Denn hinter den meisten Superfoods steckt tatsächlich mehr gutes Marketing als gute Wirkung auf die Gesundheit.

Daher wollen wir uns rückbesinnen: Auf „Superfoods“, die wir schon seit Generationen kennen und für ihre gesunden Wirkungen schätzen. Zudem kommen sie nicht aus Peru oder Neuseeland, sondern direkt aus Deutschland: Lasst uns über regionale Superfoods reden.

Dieser Beitrag ist ein Gastartikel von Martin Auerswald. Martin ist Biochemiker und Biotechnologe. Anstatt eine vielversprechende Karriere in der Pharmabranche einzuschlagen, entschied er sich dazu, Wissen zu vermitteln und Menschen mit einfachen, aber wissenschaftlich fundierten Tipps zu mehr Gesundheit im Alltag zu bewegen. Seine Beiträge findest du auf SchnellEinfachGesund.

Was sind Superfoods?

Superfoods könnte man übersetzen als „Supernahrungsmittel“. Es sind Lebensmittel mit einem ungewöhnlich hohen Gehalt an Nährstoffen, die in anderen Lebensmittel weniger vertreten sind. Das ist die offizielle Definition, und das ist in Ordnung.

Das Problem ist, dass dies zu Marketing-Zwecken missbraucht wurde, um Lebensmittel aus Peru als „Inka-Powernahrung“ in Deutschland zu verkaufen. Dadurch ist der Begriff Superfood mehr zu einem Marketingbegriff als zu einem Garanten für ein echtes, gesundes Lebensmittel geworden, das den Geldbeutel nicht belastet.

Glücklicherweise gibt es auch Superfoods aus der Region, produziert in Deutschland und sehr gesund. Diese unbekannteren und regionalen Superfoods können eine Ernährung deutlich aufwerten und gesünder machen. Sie sind nicht so teuer wie ihre Kollegen aus Neuseeland und den Anden und bereits seit Generationen bei uns bekannt und bewährt.
Um diese regionalen Superfoods soll es nun gehen:

10 Regionale Superfoods, die öfters gegessen werden sollten

Superfoods sind wirklich gesund. Sie können eine Ernährung deutlich aufwerten, den Körper mit wertvollen Nährstoffen und Antioxidantien versorgen und die körpereigene Entgiftungsmaschinerie in Gang bringen. Sie helfen dem Körper, Entzündungen zu bekämpfen, und stärken das Immunsystem. Daher ist es eine gute Faustregel, gerne jeden Tag zu dem ein oder anderen Superfood zu greifen:

Artischocken

Artischoke - regionaler SuperfoodArtischocken gehören für die meisten auf einen französischen Wochenmarkt, und doch wachsen sie auch in Deutschland. Sie können sicherlich nicht jeden Tag auf den Tisch, aber doch gerne öfters:
Sie enthalten zahlreiche Ballaststoffe und Bitterstoffe, welche Leber und Galle anregen, die Verdauung unterstützen und den Cholesterinspiegel senken können. In der Naturheilkunde ist die Artischocke (oder ihr Extrakt) bei vielen Leiden rund um Leber, Galle und Cholesterin sehr verbreitet.

Leinsamen

regionaler Superfood LeinsamenJeder kennt Chiasamen, doch was ist aus Leinsamen geworden? Inhaltlich entsprechen sie den Chiasamen 1:1 und bringen aus ihrem Trockengewicht jeweils ein Drittel Omega-3-Fettsäuren, Ballaststoffe und pflanzliche Proteine mit. Aus Leinsamen kann man vielleicht nicht so gut Chia-Pudding machen, aber sie machen sie auch sehr gut in Müsli, Salaten und Smoothies.

Der Flachs, wie die Pflanze auch heißt, ist ein echter Tausendsassa: Aus den Fasern kann guter Garn gesponnen werden, während die Blüten ebenfalls in der Naturheilkunde gefragt sind – als Hausmittel gegen Fieber.

Rote Beete

regionaler Superfood rote BeeteDie rote Beete-Pflanze sammelt im Laufe ihres Lebens viel Nitrat an – nicht aus Dünger, sondern aus Umwelt und Boden. Dieses Nitrat wird in unserem Körper in Stickoxid reduziert. Stickoxid (NO) ist ein Hormon, das die Blutgefäße weitet, die Durchblutung anregt, den Blutdruck senkt und den Energieverbrauch erhöht. Alles Dinge, von denen viele Menschen mit chronischen Erkrankungen profitieren könnten. Doch auch bei Sportlern wird die rote Knolle immer beliebter, die damit ihre sportlichen Leistungen und ihre Durchblutung verbessern möchten.

Doch die rote Beete kann noch mehr: Sie ist durch ihre rote Farbe sehr reich an Antioxidantien und Folsäure und damit eine süße Bereicherung für den Alltag. Besonders gut macht sie sich in Suppen und Salaten.

Kombucha

Kombucha ist fermentierter Tee – wenn gezuckerter Grüntee oder Schwarztee mit dem Teepilz (eine Art Qualle, die dann oben auf der Flüssigkeit schwimmt) inkubiert und für 1-2 Wochen stehen gelassen wird, passiert Magie: Die Mikroorganismen aus dem Teepilz fermentieren den Zucker in viele gesunde Inhaltsstoffe und machen den Kombucha obendrein zu seinem prickelnden, süß-sauren Geschmackserlebnis.

Reishi

Reishi PilzeDer Reishi ist ein Heilpilz, der besonders in der chinesischen Medizin viel Anwendung findet. Was viele nicht wissen. Der Reishi wächst auch in Deutschland! Hierzulande heißt er „Glänzender Lackporling“ und ist bei wachsamem Auge häufiger auf alten Baumstümpfen zu finden, als man ahnt.

Was macht den Reishi so gesund? Er ist sehr reich an ß-Glukan, was das Immunsystem stärkt, und Triterpenen, was die ätherischen Öle der Pilze sind. Diese haben im Reishi eine sehr stark entzündungslindernde Wirkung, was bei Entzündungen gerne genutzt wird.

Apfelessig

Apfelessig ist, wie Kombucha auch, ein fermentiertes Getränk. Doch er entsteht nicht aus Tee, sondern aus Äpfeln, genauer gesagt aus naturtrübem Apfelwein. Apfelessig enthält hunderte Stoffe aus dem Apfel und als Nebenprodukt der Fermentation.

Er unterstützt sowohl die Verdauung und die Darmgesundheit wie auch den Stoffwechsel, da die organischen Säuren des Essigs die Reaktion des Körpers auf Insulin verstärkt. Ein wenig Apfelessig hier und da im Essen und in Salaten, kann den Alltag bedeutend gesünder gestalten.

Knochenbrühe

Knochenbrühe Suppe LeberknödelDas Superfood aus Oma’s Zeiten, die Knochenbrühe! Viele aus der Nachkriegsgeneration haben noch die Erinnerung, dass Oma immer, wenn man krank war, heiße Brühe an das Bett brachte. Zu Recht, denn die Knochenbrühe ist wirklich voller Stoffe, die regenerierend wirken:

Hyaluronsäure, Chondroitin, Glucosamin und Kollagen sind Begriffe, die wir aus Anti-Aging und Beauty-Cremes kennen, da sie die Haut straffen und feucht halten. Doch nicht nur die Haut, sondern auch Knochen, Knorpel und Darm profitieren von diesen Stoffen.

Gute Knochenbrühe kann jeder selbst herstellen, aus nur einer Zutat: Knochen. Diese bekommt man beim Metzger meist für wenig Geld, da Knochen als Nebenprodukt beim Zerlegen anfallen. Einfach mal nachfragen und mit der ersten eigenen Brühe loslegen!

Knoblauch

KnoblauchNicht jeder mag ihn und seinen scharfen Schwefelgeschmack. Doch viele schätzen seine wohltuende und gesundende Wirkung. In vielen Entwicklungsländern dieser Welt nehmen die Menschen noch beim ersten Anzeichen einer Erkältung rohe Knoblauchzehen ein.

Woran liegt das? Die Schwefelstoffe im Knoblauch, allen voran das Allicin, wirken stark antibakteriell und antiviral. Gleichzeitig stärken sie das Immunsystem und verbessern die Durchblutung des Körpers – die Abwehrzellen sind flexibler und aktiver, um Krankheitserregern begegnen zu können.

Knoblauch kann angebraten zu vielen Gerichten zugegeben werden und ist häufig eine Art Geschmacksverstärker. Gerne in kleinen Mengen beginnen und etwas experimentieren – doch sobald du auf den Geschmack gekommen bist, wirst du an die meisten Gerichte, die aus Pfanne, Wok oder Topf kommen, Knoblauch hinzugeben.

Wildlachs

LachsfiletGut, Wildlachs wächst nicht an Land, sondern im Wasser. Dennoch wird Fisch zu selten genannt, wenn es um gesunde Lebensmittel geht. Wildlachs, der nicht mit Schwermetallen belastet ist und nicht aus Zucht stammt, steckt noch voller Nährstoffe wie Omega-3-Fettsäuren, Jod, Zink, Selen.

2x wöchentlich kann er gerne auf den Tisch kommen und ist mit einer guten Soße nicht nur lecker, sondern tut dem Körper auch an vielen Stellen Gutes: Die Schilddrüse freut sich über das Jod, während das Immunsystem dankbar Zink und Selen annimmt.

Hagebutten

HagebutteHagebutten werden auch häufig ignoriert, obwohl sie ein wahres Füllhorn an Bio-Waffen sind. Sie gehören zu den Vitamin C-reichsten Lebensmitteln weltweit und stellen Orangen und Brokkoli weit in den Schatten. Zudem enthalten sie Polyphenole und weitere, noch unbekannte Stoffe, die Knorpeln und Gelenken helfen.

Als Hausmittel bei Arthritis und Arthrose hat sich die Hagebutte in den letzten Jahren einen Namen gemacht. Wenn auch du unter Problemen der Gelenke leidest, versuche 1-2 Teelöffel Hagebuttenpulver täglich – bei den meisten Menschen lassen die Symptome innerhalb von 2 Wochen sehr stark nach.

Das Vitamin C in hohen Mengen stärkt auch das Immunsystem und senkt Entzündungen. Faktoren, von denen wir im 21. Jahrhundert nicht genug bekommen können.

Übrigens: Aus Hagebuttentee nimmt der Körper nur wenige dieser wertvollen Stoffe auf. Am besten ist gutes Bio-Hagebuttenpulver.

Fazit

Superfoods müssen nicht vom anderen Ende der Welt kommen, was ökologisch gesehen auch nicht vertretbar ist. Viele gesunde Geheimwaffen wachsen auch bei uns, sind ökologisch sinnvoller, günstiger und mindestens genauso lecker.

Superfoods können wahrlich keine Wunder wirken, wie es oft angepriesen wird. Doch sie machen unseren Alltag jeden Tag ein Stück gesünder und helfen uns, mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts besser umzugehen.